» Impressum
27.07.2010
Dresdnerin baut ihre zweite Karriere auf Sand



Sandra ist eine Sportlerin, die schnell auf Impulse reagiert. Für ihr Alter arbeitet sie sehr gewissenhaft.

Äußerlich passt Sandra Seyfferth bestens ins Anforderungsprofil nach Schema F für die einstige Fun-Sportart Beachvolleyball. Blonde Haare, ein gertenschlanker Modelkörper, wohlproportionierte, sanft geschwungene Muskeln, bronzefarbene Haut – kurzum, eine sehr attraktive Erscheinung. Ein Blickfang.

Doch die 17-Jährige vom Dresdner SC ist mehr als ein Hingucker. Sie steht wohl exemplarisch dafür, dass man lediglich mit Jux und Dollerei schon lange nichts mehr bestellen kann beim Sandvolleyball. Sie spricht ruhig, sachlich, beinahe schüchtern, ernst.





Auch über ihre bislang größte sportliche Herausforderung – die morgen beginnende U-19-Weltmeisterschaft im portugiesischen Porto. Dort startet die gebürtige Grimmaerin mit Anna Behlen (Wiker SV) als Team Deutschland I – fast schon eine medaillenträchtige Verpflichtung für die zuletzt erfolgsverwöhnten deutschen Nachwuchs-Teams. „Diese Nominierung betrachte ich als Auszeichnung. Ob man als erstes oder zweites deutsches Team antritt, ist mir eigentlich egal. Ich will bei der WM so gut abschneiden wie möglich, mich weiterentwickeln, so viel wie möglich lernen“, sagt Seyfferth zurückhaltend.

Dabei wäre mehr Mut durchaus angebracht. Vor knapp zwei Wochen wurde Seyfferth bei der U-20-EM in Italien mit der Leverkusenerin Isabell Schneider starke Fünfte. „Damit war ich super zufrieden. Jetzt einen Jahrgang jünger ist vielleicht auch etwas drin“, bestätigt sie. Die Bescheidenheit ist andernorts eine Zier, beim Beachvolleyball aber vielleicht noch die größte Schwäche der 1,76m großen Athletin. Denn beim Duell zwei gegen zwei kommt es nicht allein auf die sportliche Stärke an, sondern vielmehr geht es auch darum, den Kontrahenten mit seiner mentalen Stärke, Kraft, Power und zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein zu beeindrucken. „Diese mentale Stärke hat Sandra auch, aber sie muss ihr Temperament noch viel mehr nach außen tragen“, sagt Volker Grochau. Der Beach-Koordinator des Sächsischen Sportverbands Volleyball (SSVB) weiß aber auch um die speziellen Vorzüge des vor zwei Jahren entdeckten Beach-Talents. „Sie ist eine Sportlerin, die schnell auf Impulse reagiert, die versucht, geradlinig ihren Weg zu gehen. Für ihr Alter arbeitet sie sehr gewissenhaft“, schätzt er ein.

In der Halle meist Reserve

Vielleicht hat ihr auch eine anfangs sicher bittere Erkenntnis zur neuen Zielstrebigkeit verholfen. Denn eigentlich kam Sandra Seyfferth vor drei Jahren mit dem Traum von Grimma nach Dresden, hier zum Volleyball-Profi zu reifen – in der Halle wohlgemerkt. Beim VC Olympia Dresden, der Ausbildungsmannschaft des Europapokalsiegers Dresdner SC, wird sie seither gefördert. In der letzten Zweitliga-Saison stand Seyfferth jedoch oft als Reservistin draußen. Für ihre angestammte Position im Außenangriff ist die Sächsin wohl zu klein für eine ganz große Hallenkarriere. Diese Erkenntnis an sich heranzulassen, ist für einen jungen Sportler nicht einfach.

Doch es dauerte nicht lange, bis die Leidenschaft des Talents für die Alternative im Sand vollends entflammte. „Ich hatte in der Halle kein Problem damit, draußen zu stehen. Da gibt es in meiner Mannschaft eben Spielerinnen, die besser sind als ich. Mir persönlich macht Beachvolleyball nun weitaus mehr Spaß. Was nicht heißt, dass ich die Hallenvariante nicht auch gerne mache. Im Gegenteil, ich werde auch weiterhin versuchen, mir in der Halle einen Stammplatz zu erkämpfen“, sagt sie. Aber erst der Erfolg macht neue sportliche Reize erst so richtig interessant. „Mir liegt Strandvolleyball mehr. Und ja, es ist natürlich wichtig, Erfolg zu haben“, betont Sandra Seyfferth. Den hat sie – noch in verhältnismäßig kleinem Rahmen. Bronze bei der deutschen U-20-Meisterschaft und der schon erwähnte fünfte Rang bei der U-20-EM vor zwei Wochen sind bislang die Hausmarken. Das soll nicht so bleiben. „Sandra ist im Augenblick das beste Beispiel dafür, dass es klappen kann, wenn man eine duale Ausbildung auf Sand und in der Halle so lange wie möglich gleichermaßen fördert“, sagt Volker Grochau. Bereits im November, also mitten in der Hallensaison, schiebt Seyfferth als deutscher Nachwuchskader im Beach-Bereich zwei zusätzliche Vormittagseinheiten im Sand ein. Möglich gemacht wird das durch das kleine Feld in der DSC-Trainingshalle. „Im Januar kommt noch eine Einheit hinzu, ehe ich dann die Beach-Kader nach der Hallensaison komplett übernehme“, erklärt der sächsische Landestrainer.

Doppelausbildung ist wichtig

Die Ausgewogenheit im Training sei wichtig. Deshalb steht Grochau mit VCO-Trainer Jens Tietböhl, der zugleich Sportdirektor beim DSC-Volleyball ist, in regem Austausch. „Das klappt nur, wenn die Beach-Ausbildung nicht konträr zu der in der Halle verläuft, das wäre kontraproduktiv. Bei Sandra haben wir zum Beispiel den Winter über im Sand an ihrer Zuspieltechnik gefeilt. Das passte deshalb gut, weil sie in ihrem Hallenteam eben nicht als Zuspielerin agiert, aber bei nur zwei Athleten auf dem Beach-Feld muss man dieses Können einfach haben“, unterstreicht Volker Grochau. Zudem mache sich die Doppelausbildung speziell für die Wettkampfhärte bezahlt. „Den Umgang mit Stress-Situationen lernt man am besten über den Wettkampf. Und beim Beachvolleyball ist der Druck auf die Sportler noch viel größer, weil man sich da nicht auswechseln lassen kann, wenn es nicht läuft“, merkt er an. Sandra Seyfferth sei auf dem besten Weg, eben diesen Umgang mit Druck zu meistern. „Sie ist jetzt so weit, dass sie ihre sportliche Zukunft im Beachvolleyball sehen kann und muss. Eine starke WM würde ihr karrieremäßig sicher enorm weiterhelfen“, sagt Volker Grochau.

Sächische Zeitung - Alexander Hiller


» Zurück zur vorhergehenden Seite | drucken